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Title: Идеология, показанная на примере отрицания значительной роли готов в Крыму, отрицания их иконопочитания во время иконоборчества и перенесения их епископии на Нижний Дунай
Other Titles: Ideologie am beispiel der leugnung der tatsachen, dass die goten auf der Krim eine bedeutende rolle gespielt haben und zur zeit des ikonoklasmus ikonodulen waren, sowie der verpflanzung ihres bistums an die Untere Donau
Authors: Байер, Х.-Ф.
Beyer, H.-V.
Issue Date: 2003
Publisher: Изд-во Урал. ун-та
Citation: Байер Х.-Ф. Идеология, показанная на примере отрицания значительной роли готов в Крыму, отрицания их иконопочитания во время иконоборчества и перенесения их епископии на Нижний Дунай / Х.-Ф. Байер // Античная древность и средние века. — Екатеринбург: [Изд-во Урал. ун-та], 2003. — Вып. 34: материалы XI Международных научных Сюзюмовских чтений (Екатеринбург, 26-28 марта 2003 г.) — С. 452-481.
Abstract: Der Aufsatz stellt eine Replik auf die ausführliche, jedoch nicht eben freundlich gehaltene Rezension dar, die A. G. Gercen und Ju. M. Mogaričov in МАИЭТ 9 (2002), S. 615-632, dem Buch des Replizierenden über die Geschichte der Krimgoten gewidmet haben. Die Schwierigkeit oder gar Unmöglichkeit, die Goten nach ihrer Anpassung an die byzantinische Kultur an fur sie typischen stilistischen Merkmalen zu erkennen, gibt Ideologen die Möglichkeit, Gotien mit Leuten nach ihrem politischen Geschmack zu besiedeln. Das schlimmste Beispiel hierfür ist der von I. Ševčenko entlarvte sogenannte Toparcha Gothicus ukrainischer Herkunft, den B. Hase - die Namensgebung stammt nicht von ihm - für seinen Petersburger Wohltäter Nikolaj P. Rumjancev (1754-1826) erfand, um ihm zu schmeicheln, inn hierbei insgeheim lächerlich machend. Die Goten waren als foederati reichsunabhängig, um das Jahr 787 wurden sie von den Chazaren unterworfen und lebten seitdem mit wenigen Unterbrechungen ständig unter der Herrschaft von turksprachigen Steppenvölkern, wobei sie den Chazarenkagan und die kumanischen und tatarischen Khane als ihre obersten Herrn anerkannten. Zu diesen kam im Jahre 1475 noch der türkische Sultan. Zweitens darf als gesichert gelten, dass der Raum um die Festung Mangup seit Prokopios' Zeiten und früher bis zu Zeiten Busbecqs um 1570 und später von Goten besiedelt war, dass also auch die dort befindlichen Höhlenkirchen als Werk der Goten anzusehen sind, nicht im Sinne einer von ihnen entwickelten 'Krimgotik', sondern als Vergegenständlichung ihrer Arbeitskraft. Weiterhin ist festzuhalten, dass die Goten insgesamt weder mit den Deutschen noch mit deren Vorfahren zu identifizieren sind, wie das aus nationalistischer Fahrlässigkeit mitunter geschieht. Die Verärgerung der Rezensenten ist in gewisser Weise verständlich. Der Rezensierte zeigte auf, dass sich die von ihnen vorgenommene Verpflanzung des in den Konzilsakten von 787 genannten Bistums Gotien nach Nikopolis an der unteren Donau auf ein einziges Wort stützt, ein grammatisch und stilistisch unrichtig gebrauchtes Νιϰοπόλεως anstelle von Νιϰήτα. Ein Mönch Kyrill unterzeichnete die Akten der vierten Sitzung des Konzils als „Vertreter des Ioannes, Bischofs der Goten", repräsentierte aber in den Augen der byzantinischen Kirchenverwaltung den vermutlich von den Ikonoklasten eingesetzten Bischof Niketas, da der abwesende, in den Aufstand gegen die Chazaren verwickelte Ioannes vom georgischen Katholikos geweiht war und deshalb von der Konstantinopler Kirche nicht anerkannt werden konnte. Die Rezensenten suchen zudem die in der Vita Stephanos' des Jüngeren im Zusammenhang mit Cherson, Bosporos und Nikopsis und den Ereignissen des Jahres 754 als Zufluchtsort genannte Γότθις Κοίλη (gotische Höhlung) ebenfalls an die Donau zu verpflanzen und machen so aus drei in der Vita genannten Zufluchtsorten der Ikonodulen vier. Die „gotische Höhlung ist höchstwahrscheinlich mit der Fortsetzung der nördlichen Bucht von Sevastopol', dem Tal von Inkerman, identisch. Der Rezensierte ist ferner der Auffassung, dass einzig die von Archäologen in der Nahe von Koktebel' vorgeschlagene Grabung für eine Identifizierung mit Phul(l)oi in Frage kommt, andere Vorschläge auf Grund eines Menander-Protektor-Fragments auszuschließen sind, und glaubt, die Bemerkung in der Notitia de Boor „Bischof der Chotziren nahe Phuloi und Charasiu" in dem Sinne richtig interpretiert zu haben, dass mit „Phuloi" und „Charasiu" (Karasu) die beiden Extrempunkte des Bistums angegeben werden. Er akzeptiert die Widerlegung der von A. A. Vasiliev behaupteten Gabras-Herrschaft über Theodora durch V. P. Stepanenko und zeigt auf, dass im 15. Jh. Tscherkessen über Gotien herrschten. Anhand einer Arbeit von A. G. Gercen, der abstreitet, dass mit dem vom Chazarenkönig Joseph genannten „Kut" Gotien gemeint sei, wird dargelegt, dass die Krimgoten sich und ihr Land mit dem Wortstamm „Kut" bezeichneten. Das lässt sich nicht nur aus dem hebräischen Schreiben des Chazarenkönigs und dem durch Ch. Montandon Uberlieferten Namen „Kouttelley" für Eski-Kermen erschließen, den uns Gercen mitteilt, ohne ihn deuten zu können, sondern auch aus Schiltbergers Bericht von einer „Kuthia sprauch" auf der Krim. Tatarisch „tele" bedeutet laut Auskunft eines Native speakers 'Sprache', „kut tele" 'Sprache der Kut', zusammengeschrieben 'kutsprachig'. Das erschlossene „u" in der Selbstbezeichnung der Krimgoten als „Kut" findet eine Stütze in der Selbstbezeichnung der alten Goten als Gut-biuda (Gotenvolk) sowie in den ältesten antiken Zeugnissen von den Goten. Strabon nennt sie Γούτωνες, Plinius der Ältere „Gutones". In der zweiten Silbe des Ortsnamens „Mangut", der zum erstenmal im Brief König Josephs belegt ist und später zu „Mangup" entstellt wurde, scheint jedoch nicht das Ethnonym „Kut", sondern das alttürkische Wort „kut" (Festung) zu stecken, so dass „Mangut" in Analogie zur tatarischen Bezeichnung von Kiev durch „Mankerman" (meine Stadt) als 'meine Festung' erklären ist. Obwohl die kriegerischen Tataren nach massenhaftem Zulauf zur deutschen SS nicht ganz ohne Grund von der Krim deportiert wurden, ist dieses Motiv als rein politisch anzusehen und rechtfertigt nicht den Umstand, dass die tatarische Geschichte der Halbinsel schon früher von manchen Historikern faktisch ausgeklammert wurde. Ein so hochverdienter Krimforscher wie P. I. Keppen (l.H. 19. Jh.) scheint nicht imstande gewesen zu sein, sprachliche und menschliche Barrieren zu überwinden und hat „Koutteley" durch das offensichtlich türkische „Kiz-Kule" (Jungfernturm oder -schloss) deuten wollen - diese Interpretation wird auch von A. G. Gercen abgelehnt. Die Rezensenten des Krimgotenbuches verweisen auf in Mangup geprä gte Münzen mit der Darstellung der Ikonoklastenkaiser Leons III. und Konstantins V. und erschließen daraus eine Vorherrschaft des Ikonoklasmus in Gotien. Der Rezensierte hingegen meint, es könne sich wegen mangelhafter Bezeugung byzantinischer Verwaltung in Gotien bei den Münzen nur um Produkte einer Fälscherwerkstatt handeln. Ferner ist der durch Konstantin V. 754 erzwungene Übertritt eines Bischofs von Gotien zum Ikonoklasmus kein Argument für ein Vorherrschen des Ikonoklasmus in Gotien, sondem eher ein Beweis des Gegenteils. Der Bischof erhielt zur Belohnung die Metropolis von Herakleia/Thrakien und kehrte nicht nach Gotien zurück. Es gibt trotz aller Dürftigkeit der Quellen ausreichende Zeugnisse fur ein Vorherrschen der Ikonenverehnmg auf der Krim außerhalb von Cherson: die Vita Stephans von Surož (Sugdaia), den Bericht uber die Wahl des Ioannes Gothicus, die Ratschläge, die Stephan der Jüngere seinen Mönchen im Jahr 754 gab, den Bericht über die freundliche Aufhahme des Ioannes Psychaites in Bosporos, wo vermutlich auch Epiphanios, der ikonoklastische Orte wie Cherson mied, Station machte, die Korrespondenz des Theodoras Studites mit einem Archimandriten in Gotia und vereinzelte Zeugnisse über Flüchtlinge. Über Ikonoklasmus außerhalb von Cherson wissen die Rezensenten überhaupt kein stichhaltiges Argument beizubringen. Mogaričov macht allerdings in einem Vortragsrésumé von 2003 auf eine mögliche Entdeckung S. A. Ivanovs aufmerksam, derzufolge die ursprüngliche Vita Stephans von Surož einen ikonoklastischen Anstrich hatte. Der Rezensierte fühlt sich im übrigen bemiißigt, von sich aus auf einige verbesserungswürdige Punkte aufmerksam zu machen. Einmal verwechselte er die Turkvölker mit den Finnougriern. Seine Annahme, dass Sugdaia bis zur tatarischen Machtübernahme eine Alanen- oder Sugdenstadt gewesen sei, findet eine gewisse Bestätigung dadurch, dass man dort zoroastrische Devotionalien fand. Andererseits ist in Zweifel zu ziehen, dass die einheimische Bevölkerung von den Tataren aus der Stadt vertrieben wurde. Eine Aufschlüsselung der nichtgriechischen Namen im Synaxar von Sugdaia vom Tatarischen her zeitigte folgendes vorläufige Ergebnis: einige Personen tragen tatarische Namen, arabische Namen verweisen auf Tataren, deren Vorfahren bereits islamisiert waren, eine Verstorbene wird tatarisch als Jüdin bezeichnet, offenbar, weil sie einen Juden geheiratet hatte. Der turksprachige Name ihrer Mutter (?) verweist darauf, dass diese von Beys abstammte. Ein Name, „Samat", ist erwiesenermaßen nicht tatarisch, sondern armenisch. Mit dem tatarischen Namen „Tatkara" wird ein von Tataren unterworfener Nichttatare bezeichnet. Eine beträchtliche Zahl von nichtgriechischen Namen, z. В. „Арка", ließ sich vom modernen Tatarisch her nicht entschlüsseln. Es ist die Frage zu stellen, ob diese Namen vielleicht iranischen (alanischen, sugdischen) Ursprungs sind. Zur Erklärung sämtlicher Namen sind Griechisch-, Tatarisch-, Arabisch-, Hebräisch-, Armenisch-, Iranisch- und Slavischkenntnisse erforderlich. Zur Erklärung von Ortsnamen ist ferner Tscherkessisch und Türkisch vonnöten. Auf Grund eines teilweise unrichtigen Quellenreferats (es handelt sich urn eine Notiz in der Radzivilovoskaja letopis' zum Jahre 943/44) über die Zusammensetzung des Heeres Fürst Igors kam der Rezensierte zu teilweise unrichtigen Schlussfolgerungen über den seinerzeitigen „genetischen Code" des russischen Volkes. Das Heer Igors bestand aus zwei germanischen Stämmen (Varäger, Rus) und vier slavischen (Poljanen, Slovenen, Krivitschen und Tiverzen). Die Petschenegen treten nur als Verbündete auf. Eine russische Assimilisation von Turkvölkem ist tunlichst erst für die Zeit ab 1187, dem Jahr der Hochzeit des Thronfolgers von Novgorod-Severskij mit einer Polovzerprinzessin, in Erwägung zu ziehen.
Keywords: ИСТОРИЯ
ИСТОРИЯ СРЕДНИХ ВЕКОВ
СРЕДНИЕ ВЕКА (ИСТОРИЯ)
СЕВЕРНОЕ ПРИЧЕРНОМОРЬЕ
URI: http://hdl.handle.net/10995/2909
http://elar.urfu.ru/handle/10995/2909
Origin: Античная древность и средние века. 2003. Вып. 34: материалы XI Международных научных Сюзюмовских чтений (Екатеринбург, 26-28 марта 2003 г.)
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